Das Therapiepferd und seine Ausbildung

Für die Therapie mit Pferden, wie sie in St. Gerold angeboten wird, eignet sich grundsätzlich jedes Pferd,
unabhängig von Rasse, Größe oder Alter.

Für die Grundausbildung eines Pferdes braucht es mehrere Jahre, damit das Vertrauen zum Beziehungspartner Mensch wachsen kann und das Tier Stück für Stück daran gewöhnt werden kann, was wir Menschen von ihm erwarten.  Viel zu selbstverständlich werden Pferde einseitig als Tiere zum Reiten betrachtet. Tatsächlich besteht der wichtigste Teil der Ausbildung eines Therapiepferdes aus der Arbeit vom Boden aus, nämlich in der Beziehungsarbeit. Pferde verfügen über ein größeres Potential an mimischen Gesichtsausdrücken als Hunde und Schimpansen, was ein deutlicher Hinweis auf ihre hohe Sozialkompetenz darstellt. Pferde können in der Körpersprache und Mimik des Menschen lesen und reagieren auf unsere mentale Energie und unsere Emotionen. Um die Feinheit und Freude am Umgang mit uns Menschen zu fördern, ist es daher wichtig, auch auf psychische Anzeichen von Überlastung oder Stress der Tiere zu reagieren.

Damit die Pferde unser Gewicht unbeschadet tragen können, braucht es zusätzlich ein systematisches Aufbautraining der Muskulatur, wie bei einem Sportler. Das Gerittenwerden oder das Tragen schwerer Lasten entsprechen nicht der Natur eines Pferdes.

Das Therapiepferd als Beziehungspartner

Der Einfluss der Pferde auf unser Herz ist wissenschaftlich belegt. In der Interaktion zwischen Mensch und Pferd erhöht sich nachweislich die Herzratenvariabilität beider Beziehungspartner, was zu mehr Wohlbefinden und Entspannung führt. Je besser sich Mensch und Pferd kennen und vertrauen, desto höher steigt auch der Wert der Herzratenvariabilität. Das subjektive Empfinden, dass uns der Umgang und der Beziehungsaufbau zu den Tieren gut tun, hat nachweislich einen positiven Effekt auf unseren Körper. Es wird deutlich, wie wichtig der soziale Kontakt und Beziehungen für ein gesundes und erfülltes Leben sind - sowohl für uns Menschen als auch für die Tiere.

Ein Großteil der pferdegestützten Therapiearbeit findet in der freien und im achtsamen Beziehungsaufbau der Menschen mit den Tieren statt. Echte Beziehung kann nur auf der Basis von Freiwilligkeit entstehen. Und genau diese Beziehung, dieses Aufeinander-Zugehen öffnet den Weg zu authentischen Gefühlen und den Weg zu unserem Herzen. Dort kann Heilung geschehen.

Die artgerechte Haltung als ethisches Prinzip

Pferde leben von Natur aus in einer Herde und sind den ganzen Tag in Bewegung, dabei nehmen sie ständig kleine Mengen von Futter auf. Pferde leben in einem engen Familienverband und schließen mitunter lebenslange Freundschaften. In der Propstei St. Gerold leben unsere Pferde gemeinschaftlich in ihrer Herde im Offenstall und auf der Wiese. Sie erhalten hier einen Lebensplatz. Da Pferde bis ins hohe Alter wichtige Beziehungspartner sein können, müssen sie nicht auf Grund fehlender körperlicher Leistungsfähigkeit ausrangiert werden. In der Propstei St. Gerold wird somit ein sichtbares Zeichen gegen die Leistungs- und Wegwerfgesellschaft gesetzt, indem bewusst aufgezeigt wird, dass jedes Geschöpf ein Leben lang seinen einzigartigen Wert besitzt. Das gilt für die Menschen, die zu uns kommen, wie auch für unsere Tiere.

Wir sind Teil der Schöpfung

Die wundersame Beziehung zwischen Mensch und Tier hat eine lange Tradition in der Propstei St. Gerold. Schon in der Legende des heiligen Gerold wird seine wundersame Beziehung zu den Tieren erzählt, indem Gott durch einen Esel zu Gerold gesprochen habe oder ein von Jägern verfolgter Bär bei dem heiligen Mann Zuflucht gesucht habe und so vor dem sicheren Tod gerettet wurde.

„Der letzte Zweck der anderen Geschöpfe sind nicht wir“ sagt, Papst Franziskus in seiner Enzyklika laudato si'. Die Geschöpfe dieser Welt können nicht als ein herrenloses Gut betrachtet werden: Alles ist dein Eigentum, Herr, du Freund des Lebens (vgl. Weish 11,26). Das gibt Anlass zu der Überzeugung, dass sämtliche Geschöpfe des Universums, da sie von ein und demselben Vater erschaffen wurden, durch unsichtbare Bande verbunden sind und wir alle miteinander eine Art universale Familie bilden, eine sublime Gemeinschaft, die uns zu einem heiligen, liebevollen und demütigen Respekt bewegt.“

Das Team

Mag. Julia Joswig

Zuständig für: Leitung Therapiestall, Therapie mit Pferden, Seminare

Ausbildung: Magisterstudium der Theologie und Latein an der Freien Universität Berlin,
Therapeutin für Pferdegestützte Therapie, Spiritueller Coach
Kontakt: julia.joswig@propstei-stgerold.at

Alexandra Kieber, BA

Zuständig für: Oase-Erholungsaufenthalte, Therapie mit Pferden, Seminare

Ausbildung: Bachelorstudium Soziale Arbeit an der FH Vorarlberg,
Therapeutin für Pferdegestützte Therapie

Kontakt: alexandra.kieber@propstei-stgerold.at

Eva-Maria Türtscher, MSc

Zuständig für: Therapie mit Pferden, Coaching, Seminare

Ausbildung: Masterstudium Psychosoziale Beratung an der FH Vorarlberg und St. Gallen,
Therapeutin für Pferdegestützte Therapie, Mediatorin
Kontakt: eva-maria.tuertscher@propstei-stgerold.at

Hanna Trummer

Zuständig für: Stallmanagement, Pferdeausbildung

Ausbildung: Pferdewirtschaftsschule im ABZ Lambach, Übungsleiterin Reiten

Kontakt: hanna.trummer@propstei-stgerold.at

Annette Bachmann

Zuständig für: Buchhaltung, Administration und Spenden

Ausbildung: Handelsakademie Bludenz

Kontakt: annette.bachmann@propstei-stgerold.at

Bernd Dünser

Mitarbeit im Stall und bei den Pferden (integrativer Arbeitsplatz)

Kontakt: oase@propstei-stgerold.at